„Wir sind stolz auf unsere Geschichte“, stellte die Vorsitzende des SPD-Unterbezirks Kreis Kleve, Dr. Barbara Hendricks, bei der Vorstellung der Broschüre zu den Gründern des „Socialdemokratischen Vereins Cleve-Geldern“ im Gocher Lichtspieltheater fest. Der historische Ort passe zu dem, was gefeiert wurde: 150 Jahre Sozialdemokratische Partei Deutschlands und 105 Jahre SPD-Unterbezirk Kreis Kleve.

Der Stolz begründe sich darin, dass sich die im Kaiserreich noch als „umstürzlerische Aktivitäten“ verfolgten Ideale der Parteigründer einer demokratisch-verfassten Republik und von Menschen- und Freiheitsrechten am Ende durchgesetzt hätten. Hendricks: „Heute leben und lieben wir das, was im Jahre 1908 als staatsfeindlich betrachtet wurde. Viele Menschen sehen die heutige freie Gesellschaft sogar zu sehr als selbstverständlich an.“ Der Blick in die Geschichte sei deshalb auch eine Aufforderung, in den demokratischen Parteien mit zu machen.
Der Straelener Sozialdemokrat Otto Weber hatte aus Archiven und der Literatur viele Einzelheiten zu den frühen Sozialdemokraten auf dem Gebiet der Landkreise Geldern und Kleve zusammengetragen, die nun in einer Broschüre nachgelesen werden können: „Wir erleben hier eine Uraufführung. Zum ersten Mal können wir jetzt die Namen unserer Gründer nennen und ihnen zu ihrem Einsatz, ihrem Mut und ihrer Weitsicht gratulieren“, sagt der Jubiläumsbeauftragte Otto Weber.
Gewählt wurde in der Gründungsversammlung am 5. Juli 1908 ein dreiköpfiger Vorstand. Alle wohnten in Geldern: Zigarrenmacher Carl Brockmann, geboren im Jahre 1864 in Goch, wurde der erste Vorsitzende. Der Fabrikarbeiter Gustav Tichy, geboren in Lüdenscheid und mit seiner Familie 1905 nach Geldern gezogen, war Kassierer, und der geborene Geldrianer Gerhard van Wickeren, ebenfalls Zigarrenmacher, war Schriftführer des Socialdemokratischen Vereins für Cleve-Geldern.
Als eine „spannende Reise“ bezeichnete Weber seine Suche in den Archiven und den Blick in die Gründungszeit. Über das Kreisarchiv, die Stadtarchive in Geldern und Kleve, das Archiv der sozialen Demokratie in Bonn und das Landesarchiv in Düsseldorf endete die Reise im Koblenzer Hauptstaatsarchiv, wo Akten der politischen Polizei der preußischen Rheinprovinz aufbewahrt werden. Unter diesen Akten befand sich ein „Verzeichnis der Umstürzler und Socialdemokraten im Regierungsbezirk Düsseldorf“ mit den Namen des Kreis Klever SPD-Vorstandes aus dem Jahre 1908.
Viele weitere Informationen fasst die SPD in ihrer Broschüre zusammen, darunter Presseartikel mit ersten Warnungen der Landbevölkerung vor den Sozialdemokraten, beginnend im Jahre 1878. So schrieb die Niederrheinische Landeszeitung, Ausgabe Geldern, im Gründungsjahr 1908 zu den Zielsetzungen: „Sie wollen die gottgegebene Ordnung mit unserem Kaiser, dem Adel und der Kirche zerstören.“
Nach dem ersten Weltkrieg, der Kaiser hat abgedankt und die Republik ist Wirklichkeit, wird der Lederarbeiter Peter Knops, Stadtverordneter und ehrenamtlicher Beigeordneter in Goch, ab 1. Juli 1920 als Vorsitzender geführt. Wie überhaupt während der Weimarer Zeit – aber auch schon vor 1900, als Delegierte aus Goch die rheinischen SPD-Parteitage besuchten – erweist sich die Stadt Goch als ein Zentrum der Sozialdemokratie im Kreis Kleve.
Barbara Hendricks wies deshalb im Rahmen ihrer Dankesworte an den Ortsverein Goch und an die Jusos im Kreis, die für den Rahmen der Veranstaltung verantwortlich waren, darauf hin, dass Goch für die Präsentation der Broschüre kein zufällig gewählter Ort sei.

Wer die Broschüre haben möchte, kann sich ans Büro der SPD Kreis Kleve unter 02821/78100 oder ub.kleve@spd.de wenden.