Seit mehr als zwei Wochen laufen die Sondierungsgespräche zwischen CDU, CSU, FDP und den Grünen, um die Chancen einer „Jamaika-Koalition“ zu erkunden. In keinem der verhandelten Themenblöcke sind die „Jamaikaner“ bislang über Absichtserklärungen und Allgemeinplätze hinausgekommen. Dagegen wächst die Liste an Fragen, bei denen man sich lediglich einig ist, nicht einig zu sein.

Überall dort, wo eine Bundesregierung kraftvoll handeln müsste, bleiben die möglichen Koalitionäre konkrete Antworten schuldig: Etwa wie sie dafür sorgen wollen, dass alle in unserem Land von Anfang die gleichen die Bildungschancen bekommen, unabhängig von Herkunft oder Wohnort. Wie sie Familien und Geringverdienende entlasten und Gesundheit gerecht finanzieren wollen. Oder, welche Rolle Deutschland bei Reformen für ein starkes Europa spielen soll. Schon jetzt zeichnet sich ab: Sollten sich CDU, CSU, FDP und Grüne auf ein neue Regierungskoalition verständigen, werden sie aus Rücksicht auf ein äußerst fragiles Machtbündnis notwendige Debatten über entscheidende Grundsatzfragen aussparen. Die Forderung von CDU-Staatssekretär Jens Spahn, die Rente nach 45 Beitragsjahren abzuschaffen, ist ein Hinweis darauf, welchen Kurs die schwarze Ampel letztlich einschlagen könnte: Mangelnder Respekt vor der Lebensleistung langjährig Beschäftigter und deren Ängsten in einer digitalen Marktwirtschaft.