Der psychotherapeutischen Behandlung kommt eine wachsende Bedeutung in unserem Gesundheitssystem zu. Der Umfang gestellter Diagnosen ist in der Vergangenheit kontinuierlich gestiegen. Um die psychotherapeutische Versorgung in Deutschland zu stärken, wird nun die Berufsausbildung zur Psychotherapeutin und zum Psychotherapeuten grundlegend modernisiert. Aus diesem Grund hat der Bundestag diese Woche in zweiter und dritter Lesung den Regierungsentwurf für ein Gesetz zur Reform der Psychotherapeutenausbildung beraten. Dieses ermöglicht dann ein längst überfälliges Direktstudium der Psychotherapie. So kann auch künftig eine qualitativ hochwertige und bedarfsgerechte sowie an den aktuellen Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten ausgerichtete Versorgung auf dem aktuellen Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse sichergestellt und ausgebaut werden. Mit der Reform soll zukünftig ein eigenständiges wissenschaftliches Masterstudium Voraussetzung zur Erteilung der Approbation sein. Dieses wird sich strukturell vom bisherigen Ausbildungsweg (Studium der Psychologie mit anschließender Therapieausbildung und Approbation) unterscheiden und im Rahmen eines fünfjährigen Hochschulstudiums den Zugang zum Beruf eröffnen. Das Studium wird übergreifend und nicht alters- oder verfahrensspezifisch ausgerichtet sein und mit einer staatlichen Prüfung, der Approbation, abgeschlossen.

Anschließend ist der Weg zu einer verfahrensspezifischen (z. B. Verhaltenstherapie, analytische Psychotherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und zukünftig auch die Systemische Therapie) oder altersorientierten Weiterbildung (z. B. Kinder und Jugendliche oder Erwachsene) eröffnet, um ein wissenschaftlich anerkanntes psychotherapeutisches Verfahren zu vertiefen. Ein fragmentierter Studienverlauf zur Psychotherapeutin oder zum Psychotherapeuten wird so der Vergangenheit angehören. In den Verhandlungen mit dem Koalitionspartner konnten wir als SPD zudem eine verlässliche Finanzierung für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Aus- und zukünftig Weiterbildung erreichen. Danach werden insbesondere die sogenannten PiAs, Psychotherapeuten in Ausbildung, für ihren Beitrag zur Versorgung von Patientinnen und Patienten in Zukunft mit mindestens 1000 Euro im Monat vergütet. Wir haben so einmal mehr unserem Anspruch als Sozialdemokraten Rechnung getragen und bekräftigt, dass die Erstausbildung nichts kosten darf.