Der Kinderbonus soll einen konjunkturellen Impuls setzen und ist neben anderen steuerlichen Entlastungen und weiterer Investitionen in die Betreuungs- und Bildungsinfrastruktur ein wichtiger Baustein, um Familien besonders bei den finanziellen Auswirkungen der aktuellen Krise gezielt zu unterstützen.


Im Hinblick auf den Kinderbonus gilt:

  • Der Kinderbonus in Höhe von 300 Euro wird für jedes Kind gezahlt, für das im Jahr 2020 mindestens in einem Monat Anspruch auf Kindergeld besteht.
  • Der Kinderbonus wird ohne zusätzlichen Antrag grundsätzlich in zwei Tranchen im September (200 Euro) und Oktober (100 Euro) als zusätzliches Kindergeld ausgezahlt.
  • Für den Kinderbonus gelten grundsätzlich alle Vorschriften, die auch für das monatlich gezahlte Kindergeld ausschlaggebend sind. Die Anknüpfung an das Kindergeld stellt eine schnelle Auszahlung des Kinderbonus sicher.
  • Der Kinderbonus geht bei der im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung stattfindenden Günstigerprüfung zwischen Kindergeld und der Entlastungswirkung des Kinderfreibetrags ein. Bei Eltern mit hohen Einkommen wird der Kinderbonus somit auf die Entlastungswirkung des Kinderfreibetrags angerechnet. Im Ergebnis profitieren 15 Mio. Kinder bzw. 83 Prozent der kindergeldberechtigten Kinder ganz oder teilweise vom Kinderbonus. So erhalten vor allem Gering- und Mittelverdiener die Leistung ohne steuerliche Anrechnung.
  • Er wird für jedes Kind nur einem berechtigten Elternteil ausgezahlt. Bei mehreren Berechtigten erhält den Kinderbonus der Elternteil, bei dem das Kind die meiste Zeit lebt.
  • Es findet eine Anrechnung des hälftigen Kinderbonus auf die Unterhaltszahlungen des barunterhaltspflichtigen Elternteils statt.
  • Abweichend von den Vorschriften für das Kindergeld wird der Kinderbonus nicht auf Sozial- und Transferleistungen wie Hartz IV oder Wohngeld angerechnet. Wir haben auch eine Anrechnung auf den Unterhaltsvorschuss ausgeschlossen, so dass Kinder, deren unterhaltspflichtiger Elternteil keinen Unterhalt zahlt oder zahlen kann, nicht benachteiligt werden. Er kommt also vor allem denjenigen zugute, bei denen das Geld ohnehin knapp ist. Das ist uns besonders wichtig.

Der Elternteil, bei dem das Kind gemeldet ist, bekommt den Kinderbonus in voller Höhe ausgezahlt (1×200 Euro, 1×100 Euro). Der Unterhaltspflichtige kann ihn hälftig von der Unterhaltszahlung abziehen (1 x 100 Euro, 1 x 50 Euro). Dies entspricht der Systematik des Kindergelds und bedeutet, dass beide Elternteile jeweils die Hälfte des Bonus für das Kind bekommen. Vielfach wird jetzt argumentiert, dass dadurch nur die Hälfte der Leistung bei den Alleinerziehenden ankomme. Die Kritik übersieht, dass nach den Grundsätzen des geltenden Unterhaltsrechts beide Eltern an den Entlastungen durch das Kindergeld und dementsprechend auch dem Kinderbonus teilhaben müssen. Dies gilt allerdings nur, wenn der unterhaltspflichtige Elternteil seinen Verpflichtungen zur Unterhaltszahlung auch tatsächlich nachkommt. Die Kritik an der Anrechnung unterstellt dabei, dass der Unterhaltspflichtige das Geld nicht für das Kind ausgibt. Darüber hinaus würde eine Nicht-Anrechnung unterhaltspflichtige Eltern schlechter stellen, die beispielsweise die Kinder zur Hälfte betreuen (beispielsweise im Rahmen des sogenannten paritätischen Wechselmodells und anderer Betreuungsmodelle). Über die Anrechnung profitieren beide Eltern vom Kinderbonus, wie auch vom Kindergeld. Das Familienrecht, und damit auch das Unterhaltsrecht, müssen grundlegend reformiert werden. Eine solch umfangreiche Reform bedarf aber einer langen und sorgfältigen Vorbereitung und eines grundlegenden Einbindungs- und Abstimmungsprozesses mit allen Beteiligten, um eine breite Akzeptanz zu erzielen. Ein kurzfristig gestartetes Konjunkturpaket ist hierfür nicht der geeignete Rahmen.


Darüber hinaus gilt, dass berufstätige Alleinerziehende durch die befristete Verdopplung des Entlastungsbetrags auf 4.008 Euro direkt und sofort entlastet werden. Ein Alleinerziehender Kassierer mit 1.750 Euro brutto und einem Kind erhält so 463 Euro mehr pro Jahr. Eine erfahrene Krankenschwester mit 3.000 Euro brutto pro Monat und zwei Kindern hat 604 Euro mehr pro Jahr.


Eine andere Frage ist, ob Asylsuchende ebenfalls vom Kinderbonus profitieren. Die Antwort ist ja, sobald sie Anspruch auf Kindergeld haben. Als Asylberechtigte anerkannte Ausländer (Aufenthaltserlaubnis nach § 25 Abs. 1 AufenthG) und anerkannte Flüchtlinge nach der Genfer Flüchtlingskonvention (Aufenthaltserlaubnis nach § 25 Abs. 2 AufenthG) erhalten Kindergeld ab dem Zeitpunkt der Erteilung ihres Aufenthaltstitels. Auch hier galt es, den Kinderbonus pragmatisch innerhalb der bestehenden Regeln umzusetzen.